Ergänzungen zur Bauelementeliste im PS-Buch


"Die Geschichte der Mikroelektronik-Halbleiterindustrie der DDR"

erschienen Ende 2003 im www.funkverlag.de .


Ge-Transitoren 2.Generation
Thermoelektrische Kühlelemente - eine DDR-Entwicklung
Diacs aus DDR-Produktion
ST108 - Leistungsthyristor
Multivibrator-IC D901D
Transistor-Array A910D - Schwellwertschalter A902D
Uhrenschaltkreis D921
Zeitgeber-Schaltkreis D455
IK72 - Erster Analog-Schaltkreis der DDR
Der erste Mikroprozessor der DDR - Technik und Anwendung
Uhrenschaltkreis U124D
Kamera-IS A321G
Einchip AM/FM-Empfängerschaltung
U5301-FC302 - Gate-Array für CCD-Zeilen
CCD-Sensormatrix
CCD-Sensorzeilen
L301 - CCD-Verzögerungsrzeile
U84C70 - DART und U84C97 - CGC
U7106D - C7136D 3 1/2-Digit AD-Wandler
U809M - ASIC "Vermittlungs-IS"
U1620FC - ASIC "DSR-Decoderschaltkreis"
SD335 bis SD340 und SD345 bis SD350
A 2014 DC - Videoschalter
A 3048 DC - Infrarot-Empänger-Schaltkreis
U 80610 - DRAM-Controller
DS 80612 DC - Taktgenerator
B 3870 D - Analog-Prozessorschaltkreis
U 1311 D - Schaltkreis für Schaltuhren
D 716 X - Schaltkreis für Thermodruckkopf
U 8912 - Audio-Schaltkreis für den KCC
Verschiedene diskrete Bauelemente
Weitere Bilder zu Bauelementen


Achtung! - Einiges aus den Schriftenreihen zu den Halbleiter-Symposien ist hier nicht aufgeführt.


Des Weiteren gab es auch speziell ausgemessene Bauelemente, so z.B. vom HFO:

A221D - ist ein auf niedrigem Ruhestrom ausgemessener A220D, wahrscheinlich für batteriebetriebene Funkgeräte
A212D - ist ein auf niedrigem Ruhestrom ausgemessener A211D, gleicher Anwendungsbereich
A209K - ist ein besonders ausgemessener A210K für den Einsatz in VK-Stufen in FS-Empfägern
                ähnliches gab es vorher vom A205K -> A204K
A301V - eine Gehäusevariante in 8-DIL vom A301D



Germaniumtransitoren 2. Generation
Bereits mit Beginn der Produktion von Ge-Transistoren hatte man im HFO große Probleme mit der Zuverlässigkeit, d.h. Dichtigkeit der zunächst verwendeten flachen Gehäuse der Typenreihe OC810...
Mitte der 60er wurde deshalb eine neue Gehäuse-Technologie eingeführt:
ein modifiziertes Rundgehäuse, ähnlich TO-18. Das gesamte, bis dahin entwickelte Sortiment OC810...823 wurde einer Typenbereinigung unterzogen und ab da in dieses neue Gehäuse montiert. Nachfolgend aufgeführte Typenreihe ist teilweise in der BE-Liste im PS-Buch nicht enthalten.

Type Ub(V) Ic(mA) fT(MHz) F(dB)
GC100 15 15 1 25
GC101 15 15 1 10
GC112 80 150 0,3 -
GC116 20 150 0,5 20
GC117 25 150 1,2 10
GC118 25 150 1,2 5
GC121 25 250 12kHz (fh21e) -
GC122 35 250 12kHz (fh21e) -
GC301 32 500 10kHz (fh21e) -
GS109 20 50 - 25
GS111 / GS112 20 200 - -
GS121 / GS122 30 100 - 25
GF100 15 15 3 15
GF105 15 15 7 20
GF126, GF130 /GF131, GF139, GF181 25 10 - -
GF128 25 10 100 -
GF132 25 10 - 7

Später wurden die Typen GF145...GF147 in der kleineren Variante des Rundgehäuses ähnlich TO-18 montiert. Dies fand jedoch nicht mehr im HFO statt, sondern wurde nach Neuhaus (RWN) ausgelagert.
Besonders interessant ist, daß beim Typ GF147 bereits die für damalige Verhältnisse hochmoderne Planartechnologie auch auf das Halbleitermaterial Germanium angewendet wurde.



Thermoelektrische Kühlelemente - eine DDR-Entwicklung
Bereits in den 60er Jahren wurde an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg am Problem der wirtschaftlich-technischen Umsetzung des schon seit 1834 bekannten Peltier-Effekts geforscht. In einer Laborfertigung konnten dann Anfang der 70er Jahre Thermoelektrische Kühlelemente hergestellt werden. Es war geplant, später eine Produktion im Röhrenwerk Neuhaus (RWN) zu etablieren.
Einer der Hauptabnehmer sollte der "VEB dkk Scharfenstein" sein, der auf dieser Basis einbaufertige Kühlbatterien (bis ca. 30W) fertigen sollte, die wiederum in vielen Bereichen der Volkswirtschaft Anwendung finden sollten. In einem Halbleiter-Datenbuch des HFO von 1970 sind dazu über 25 Beispiele aufgeführt.
Das Kühlelement "ZB 4" hatte folgende Hauptparameter:

Abmessung = 7,0mm x 4,0mm
UQmax = ca. 0,12V
IQmax = 40A
Qmax = 3,0W

Die Entwicklung wurde sogar soweit vorangtrieben worden, daß es für dieses Bauelement bereits einen Standard gab: TGL 200-8437.
Da die Handhabung von 40A bei 0,1V recht problematisch war und somit der schon so niedrige Wirkungsgrad durch unvermeidliche Verluste noch schlechter wurde, kam es zu keinem größeren Einsatz. Um diesen dennoch weiter zu forcieren, wurden auch Sonderausführungen angeboten:
(1) Halbkreisflächen durch Halbieren der Schenkel (2 Elemente mit je 45% Kühlleisung, 45% Strom)
(2) Quadranten durch Vierteln der Schenkel (4 Elemente mit je 20% Kühlleisung, 20% Strom)
(2) Sechsteilen der Schenkel (6 Elemente mit je 12% Kühlleisung, 12% Strom)



Diacs aus DDR-Produktion
Im Zusammenhang mit der Entwicklung der 3A-Thyristoren ST103 im Werk für Fernsehelektronik Berlin (WFB) wurden 1974 auch so genannte Diac's entwickelt. Diac's sind Mehrschicht-Dioden, die bei einer definierten Spannung lawinenartig durchbrechen und somit einen steilen Stromimpuls liefern, der zum gewünschten Zeitpunkt den Thyristor zum "zünden" bringen kann. Die zu entwickelten Diac's SR101/1 bis SR101/3 hatten folgende Zielparameter:

UB0 = 28V (+/-4V)
PVmax = 150mW
IM = 1,0A
IF = 10mA

Die Diac's kamen genauso wie die Thyristoren vom WFB nie aus dem Entwicklungsstadium heraus und wurden dann ebenfalls in die CSSR spezialisiert. Die Typbezeichnung war dort:
KR204 bis KR206.



Leistungsthyristor ST108
Für die historischen Aufarbeitung zur "125-jährigen Geschichte der Elektrotechnischen Industrie Berlin-Brandenburg" stellte der Autor Dipl.-Ing. Helmut Kappelhof - langjäriger Mitarbeiter in leitender Position im Gleichrichterwerk Stahnsdorf (GWS) - vor einiger Zeit eine Arbeit mit dem Titel "Die Entwicklung der Halbleitertechnik in Stahnsdorf bei Potsdam ab 1959" vor.
Dort ist neben den bereits bekannten Thyristoren auch ein Hinweis auf den ST108 zu finden.
Es handelte sich dabei um einen 6A-Typ mit 400V Sperrspannung, welcher einem modifizierten Einpreß-Gehäusetyp gefertigt werden sollte, ähnlich dem der massenweise hergestellen "KFZ-Dioden" SY170/171. Die Modifizierung bezog sich dabei auf den dritten Anschluß.
Die Enwicklung war soweit abgeschlossen, jedoch kam es zu keiner Produktionsüberleitung. Gründe dafür waren einerseits das bereits in Kraft getretenen Spezialisierungsabkommen mit der UdSSR, nachdem alle leistungselektronischen Bauelemente - dazu gehörten auch diese Thyristoren - zukünftig nur noch von dort bezogen werden sollten, aber andererseits auch, daß die vorhanden Produktionskapazitäten dringend für die neu eingeführte Erzeugnislinie "Si-Hochspannungstransistoren" benötigt wurden.
Einige ST108-Exemplare aus der Laborfertigung tauchten dann kurzzeitig noch in einschlägigen RFT-Bastlerläden auf. Die Verkaufserfolge waren sicherlich genauso bescheiden, wie die der vielen "dicken Russen-Thyristoren"...



Multivibrator-Schaltkreis D901C
Der Multivibrator-Schaltkreis D901C wurde 1974 in der Arbeitsstelle für Molekularelektronik Dresden (AMD) auf Basis der gerade eingeführten TTL-Technologie (D100-Reihe) als erste Eigenschöpfung ohne Vorbildtyp entwickelt. Angedachte Einsatzgebiete waren:
- Taktgeber für TTL-Systeme bis 10MHz,
- Scheibenwischer-Intervall-Schalter,
- Lichtmaschinen-Regler,
- Dämmerungsschalter u.v.a.m.

Da insbesondere seitens der KFZ-Industrie der DDR diesem Vorhaben nur wenig Interesse entgegengebracht wurde, ging dieser Schaltkreis nie in Produktion, bzw. in die Überleitung zum HFO.

Dr.-Ing. Dietrich Armgarth: "Integrierter astabiler Multivibrator D901C", rfe 23 (1974), H11, S361-365



Das Transistor-Array A910D und Schwellwertschalter A902D
Bisher galt der Schaltkreis B340 als erstes Transistor-Array aus HFO-Produktion. Dabei wurde übersehen, daß es bereits Mitte der 70er Jahre auch von der AMD ein Transistor-Array mit der Bezeichnung A910D gab, was allerdings über die Nullserienproduktion nie hinausgekommen ist, d.h. eine Überleitung zur Massenproduktion im HFO fand nie statt. Der ursprünglicher Verwendungszweck im Zusammenhang mit dem ebenfalls dafür vorgesehenen Schwellwertschalter A902D war der Einsatz in Erzeugnissen der DDR-Kameraindustrie (Pentacon).
Jedenfalls kamen nach Berichten in der Fachpresse Anfang 1980 einmalig größere Mengen in den Elektronikhandel, sowohl in der Original- als auch in der Amateurversion als R910D.
Ab 1979 wurde allerdings der Schwellwertschalter A902D dann als A302D im Röhrenwerk Neuhaus in Serie produziert.

Dipl.-Ing. Dietrich Armgarth: "Integrierte Schaltungen für Kameras", rfe 25 (1976), H10, S333-335
Dipl.-Ing. Klaus Schlenzig: "Ruhestromfreier Signalgenerator", rfe 29 (1980), H4, S261-262



Uhrenschaltkreis D921
Auf dem 7. Halbleitersymposium in Frankfurt/O (1975) wurde ein bipolarer Uhrenschaltkreis D921, bestehend aus einem 15-stufigem Frequenzteiler, vorgestellt. Weitere Daten:

Eingangsfrequenz: 32768 Hz
Ausgangsfrequenz: 1 Hz
(2x um 0,5 Hz versetzte Impulsausgänge)
Impulslänge: 31,25ms
Betriebsspannungsbereich: 1,1...1,7V
Temperaturbereich: 0...70°C

In Ermangelung geeigneter weiterer Miniaturbauelemente kam es zum prakischen Einsatz in der Uhrenindustrie ( Ruhla bzw. Glashütte ) jedoch erst viel später mit den Typen U113F/U114D, U124D bzw. U118F.

Tagungsunterlagen des 7. Halbleitersymposiums Frankfurt/O (1975), zitiert in "Leserpost", rfe 30 (1981), H1, S6



Zeitgeber-Schaltkreis "D455"
Im Zuge von Fremdmuster-Untersuchungen bzgl. Technologie und Schaltungstechnik wurde bei AMD/ZMD in der "Dresdner HighTech-Schmiede" auch der NE555 bearbeitet. Obwohl nach wesentlichem Abschluß der "Grundlagen-Entwicklung TTL-Technologie" Mitte der 70er Jahre schwerpunktmäßig durch Staatplanvorgaben MOS-Technologien zu bearbeiten gewesen sind, wurde "klamm heimlich" auch noch weiter an bipolaren Technologien gearbeitet. So entstanden die o.g. genannten Bauelemente und eben auch der "D455" als erweiterter Nachbau des berühmten "555", welcher mittlerweile von vielen Halbleiterherstellern weltweit angeboten wurde. Erweitert deshalb, weil entsprechend dem Wunsch des potentiellen Hauptabnehmers "VEB EAW Berlin" noch zwei separate Transistoren mit auf den Chip sollten.
Infolge von Bilanzproblemen wurde das Bauelement nie offiziell in den F/E-Plan der AMD/ZMD eingeordnet. Somit blieb es bei Funktionsmustern auf dem Niveau des Entwicklungsstadiums und eine Produktion kam somit gar nicht in Frage. Viel später - erst 1982 - wurden dann im HFO mit dem B555D auch "555"-Clone hergestellt.
Sollten Leser noch weitere, insbesondere technische Dokumente zu diesem BE besitzen - diese Informationen könnte hier dann ergänzend veröffentlicht werden.



Der erste Analog-Schaltkreis der DDR "IK72"
Bisher wurde immer davon ausgegangen, daß die TTL-Reihe D100 die ersten monolithisch integrierten Schaltkreise in der DDR waren und daß die monolithische Integration in der DDR ausschließlich in Prof. Hartmann's AMD entwickelt wurde. Daß dem wirklich so war, kann allenfalls nur für die Digitaltechnik gelten.
Für die analoge Schaltungsintegration hingegen wurde bereits Ende der 60er Jahre in einem ausgelagerten F/E-Bereich des HFO in Stahnsdorf grundlegende Forschung betrieben. Als Ergebnis konnte 1972 die labormäßige Entwicklung einer einfachen Differenzverstärkeranordnung mit Konstantstromquelle mit der Bezeichnung "IK72" vorgestellt werden. Hauptinitiator dieses Vorhabens war aber ein mit LVO-Priorität gleichgestellter Auftrag der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW), der das gemeinsam mit der UdSSR zu realisierende Interkosmos-Programm betraf. Daher auch das Kürzel in der Bauelemente-Bezeichnung "IK" und "72" für das Fertigstellungsjahr.
Leider liegen außer ein paar Mustern, einem Chipfoto und der u.g. Literaturquelle bis jetzt noch keine weiteren Hinweise oder technische Daten dieser historisch interessanten Bauelemente vor.
Dieser Schaltkreis war zugleich die Basisentwicklung für die späteren analogen integrierten Schaltkreise, beginnend mit A109D, B109D, (beides Operationsverstärker), sowie dem A110D, B110D (beides Komparatoren).

Dipl.-Ing. Dieter Oertel, Dipl.-Ing Burghard Rebel und Dipl.-Ing. Peter Sudau: Untersuchung eines Analogmultiplizieres auf der Basis des integrierten Differenzverstärkers IK72, rfe 23 (1974), H18, S603-605



U808D - Der erste Mikroprozessor der DDR - Technik und Anwendung
Ergänzend zu den Ausführungen zum U808D im PS-Buch kann in der nachfolgend angegebenen Literatur näheres über Technik und Anwendung nachgelesen werden.

Dipl.-Ing. Michael Höhne: Der Mikroprozessor U808D - Teil 1, rfe 26 (1977), H5, S145-150; Teil 2, rfe 26 (1977), H6, S187-188, S197-198

Im Gegensatz zu dem zur damaligen Zeit vorherrschenden modularen Systemaufbaus bei Mikrorechnern sind bereits 1979 erste Ansätze zu erkennen, kleine kompakte Einheiten zu schaffen, mit denen u.a. universelle programmierbare Steuerungsaufgaben zu lösen waren. Mit diesen so genannten "Einplatinenrechnern" wurde der Einzug der Mikrorechentechnik in vielen Bereichen der Volkswirtschaft begründet, auch solchen, die nicht vordergründig elektrotechnisch ausgerichtet waren. Dieser Trend setzte sich dann später verstärkt mit dem Vorhandensein der Einchip-Mikrorechner durch.

Dipl.-Ing. Norbert Wengel: Einplatinenrechner mit U808D, rfe 28 (1979), H9, S554-557;



Uhrenschaltkreis U124D
Der als elektronische Ablösung mechanischer Uhrenwerke für Wohnraumuhren vorgesehene quarzgesteuerte Taktgeber U124D wurde seit etwa Anfang 1980 im FWE oder direkt in Ruhla auf Basis einer Import-Technologie aus dem NSW produziert. Ausgehend von einer Quarzfrequenz von 4,194304 MHz wurde über einen vielstufigen Frequenzteiler ein Schrittmotor angesteuert, der ein übliches Zeiger-Uhrwerk antrieb.
Das Bauelement wurde in keiner offiziellen Dokumentation aus dem Kombinat Mikroelektronik erwähnt, deshalb sind dessen technische Daten weitestgehend unbekannt:

Betriebsspannung: 1,2 ... 1,7V
Umgebungstemperatur: -10 ... 70°C
Schrittmotorwiderstand: >300 Ohm
Quarzfrequenz: 4,194304 MHz
Lastkapazität. 42,5 ... 70 µF
Abgleichkapazität: 10 ... 40 pF
Fetskapazität: 16 ... 24 pF

Grenzwerte:
Betriebsspannung (UDD) -0,3 ... 2,5V
Eingangsspannungen -0,3 ... UDD
Betriebstemperaturbereich -10 ... 70 °C
Lagerungstemperaturbereich -55 ... 125 °C

Dipl.-Ing. Klaus Schlenzig: Taktgeberschaltungen mit U124D, rfe 30 (1981), H3, S160-161



A321G - Kamera-Schaltkreis
Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre zog die integrierte Halbleiter-Elektronik auch in die Erzeugnisse der Kameraindustrie der DDR ein. Ein prädestiniertes Beispiel dafür ist die einäugige Spiegelrefexkamera "Praktika B200" aus dem VEB Pentagon Dresden. Kundenspezifische Schaltkreise in miniaturisierter Flat-Pack-Bauform aus dem HFO machte es möglich, viele Funktionen zu automatisieren und somit einen hohen Gebrauchswert zu realisieren. Neben dem im PS-Buch bereits aufgelisteten A311D kam auch der weniger bekannte Typ A321G zum Einsatz.

Siegfried Schütze, Claus Künel: Spiegelreflexkamera Praktika B200, rfe 30 (1981), H8, S479-483



A283D - Ein komplettes AM/FM-Radio auf einem Chip
Als Beispiel hochgestochener Integration ist zur damaligen Zeit dieses "Einchip"-Radio aus dem HFO zu sehen. Es sind nicht nur alle zum Empfang von AM- (MW/KW) und FM-Sendern (UKW) notwendigen Schaltungsteile auf einem Chip integriert, sondern auch ein NF-Verstärker mit Pa = 300mW - also die richtige Größe für ein Taschenradio. Im Wesentlichen brauchte nur Ferrit-Antenne für den AM-Empfang, ein geeigneter Drehko für beide Bereiche - oder entsprechende Abstimm-Kapazitätsdioden, ein oder zwei Potis, sowie der Lautsprecher vorgesehen werden und schon hatte man eine fertige Empfänger-Schaltung.
Dieser Schaltkreis wurde insbesondere für die so genannten "Uhren-Wecker-Radios" - eine Konsumgüter-Produktion des HFO eingesetzt. Unterlagen sind in der Datenblattsammlung 1981 zu finden.



U5301-FC302 - Gate-Array für CCD-Zeilen
Ebenfalls im Rahmen des Interkosmosprogramms - nur wesentlich später gegen Ende der 80er Jahre - wurde vom Institut für Kosmosforschung der AdW in Zusammenarbeit mit CZ auf der Grundlage des Gate-Array-Systems U5300 ein spezieller Schaltkreis für die periphere Ansteuerung von CCD-Zeilen-Sensoren für optoelektronische Scanner entwickelt. Der IC war so universell konzipiert, daß bis zu 7 Stück aller in der DDR geferigten CCD-Zeilen angesteuert werden konnten und außerdem noch eine Kaskadierung möglich war. Durch den Zugriff auf 17 interne Register können eine Vielzahl von Funktionen und Parametern frei gewählt werden, so z.B.:
- Sensorabfrage,
- Sensorsteuerung,
- Datenauswahl und -Komprimierung.
Dabei wird der gesamte Prozeß der Signalgewinnung gesteuert:
- Pixelsignalwerterfassung,
- Makropixelerzeugung,
- Triggerung des AD-Wandlers und Zwischenspeichers.
Die Hauptbaugruppen sind: Timer, Sensorsteuerung, Speicherverwaltung und I/O-Portsteuerung.
Leider existiert zu diesem interessanten IC keine weiteren Datenangaben, auch ist nicht bekannt, ob je funktionsfähige Muster eingesetzt werden konnten.



CCD-Sensormatrix
Während die CCD-Zeilen L110C und L133C bereits seit Anfang der 80er Jahre im Werk für Fernsehelektronik (WFB) produziert wurden, konnte mit der CCD-Matrix L216C ab 1986 in neue Dimensionen, d.h in die der zweidimensionalen Abtastung vorgestoßen werden. Zwar war die Auflösung von 16x64 Bildpunkten noch weit entfernt vom eigentlichen Ziel, nämlich optische Sensoren mit Fernsehbild-Qualität herzustellen. Dies gelang dann Ende der 80er Jahre - wie bereits im Buch erwähnt - mit den CCD-Matrizen L211C (190x244) zunächst nur teilweise, aber kurz vor der Wende mit der L220C (512x576) dann doch noch vollständig.
Das Bauelement L216C wurde vorzugsweise für den Einsatz in dem Klarschriftleser K6710 des Kombinats ROBOTRON entwickelt. Funktionsbestimmend war dafür:
- quadratische Bildpunktraster
- Vollbildauslesung
- Auslesetakt >= 2,5 MHz (Rechnertakt)
Die CCD-Matrix besteht aus 25 (horizontalen) Zeilen mit je 64 (vertikalen) Zellen. Von den 25 horizontalen Elementen je Zeile sind jedoch nur 16 lichtempfindlich. Die übrigen Zellen werden zur Dunkelsignalreferenz-Erzeugung benötigt, bzw. im Randbereich zur Abschirmung von parasitären Ladungseinflüssen. Die Matrix arbeitet nach dem Zwischenspalten-Übertragungsprinzip, d.h. zwischen jeder Spalte lichtempfindlicher Elemente befindet sich ein analoges CCD-Schieberegister. Diese münden in ein Horizontal-Schieberegister mit einer Ladungsdetektorschaltung am Ende, welches aus einem Reset-Floating-Gate-Verstärker mit einer Sample- und Hold-Stufe gebildet wird. Eine mit auf dem Chip integrierte Randelektronik dient der Erzeugung verschiedenen Takte für die Schieberegister und die Sample- und Hold-Stufe.
Das Bild zeigt den inneren Aufbau und Funktionsweise.

Ergänzung: In diesem Zusammenhang sei auf den Insiderbericht "Die letzten Opto aus dem WFB" verwiesen.

(1) Dr. Rainer Stefani, Dipl.-Ing. Jörg Löser: CCD-Sensormatrix L216C, rfe 35 (1986), H7, S450-451
(2) Dipl.-Phys. T. Brosowski, Dr. re. Nat, K. Ellmer, Dipl.-Phys. C. Illgen, Dr. rer. nat. R. Jurgeit, Dipl.-Ing. J. Löser, Dr. rer. nat. R. Nürnberg, Dr.-Ing. R. Stephani, Dr. rer. nat. F. Täubner, Dr. rer. nat. W. Titel: CCD-Sensormatrix L220CF, rfe 1990/4/212-215
(3) Dipl.-Ing. Rainer Arnold, Dipl.-Ing. Wilfried Flegel, Dipl.-Ing. Dieter Pferner: Integrierte Ansteuerschaltung U2200PC, rfe 1990/4/207-211
(4) Dr.-Ing. Thomas Wolf, Dipl.-Ing. Matthias Fischer: Videointerface für die CCD-Matrix L211, rfe 1988/12/801-803
(5) Dipl.-Ing. Lothar Fiedler, Dipl.-Ing. Rainer Holz: CCD-Videokamera mit TV-Norm, rfe 1989/12/801-804



CCD-Sensorzeilen
Auf dem letzten Halbleitersymposium 1989 in Frankfort/O wurde über Weiterentwicklungen der L110C bzw. der L133C für weitere Anwendungen bzw. erweiterterte Spektralbereiche berichtet. Anwendungen war vor allem in die Spektroskopie vorgesehen. Es wurde von den Bauelementen L115C und L173C aus dem WFB berichtet.
Vor allem die L173C scheint ein hochinteressantes Bauelement zu sein. Es besteht aus 2 Sensorzeilen im Abstand von 3,1mm mit je 512 Elementen der Größe 300 x 13 Mikrometer. Beide Sensoren sind ausführlich in Text und Bild in den Unterlagen zu den Halbleiter-Symposien Frankfurt/O beschrieben sein.



CCD-Verzögerunszeile
Es ist schon lange bekannt - vor allem aus militärischen Anwendungen, daß mittels der CCD-Technologie Signale für kurze Zeit verzögert, d.h. gespeichert werden können. Auch im WFB hatte man an diese Applikationen für die vorhandene CCD-Technologie (CCD-Sensorzeilen und Matrizen) gedacht und erste Untersuchungen angestellt. Vordergründiges Anwendungsgebiet sollte die Videotechnik sein. Bei deren Übertragungstechnik ist es immer mal wieder notwendig, Signale so lange zu verzögern, daß sie in das vorgegebene Zeitschema passen. Bekanntestes Beispiel dafür sind die Verzögerungsleitungen in Farbfernsehepfängern. Sowohl das PAL-, wie auch das in der DDR damals noch verwendete SECAM-Verfahren erforderten z.B. die Verzögerung des Videosignal für den Zeitraum einer Videozeile, d.h. für ca. 64µs. Zum damaligen Zeitpunkt wurden solche Verzögerungsleitungen über Laufzeiteffekte in Quarzglaskörpern realisiert (CV20/CV40 - ebenfalls eine WFB-Entwicklung, deren Produktion jedoch in das Berliner SECURA-Werk ausgelagert wurde).
Es lag also nahe, Alternativen für diese immer noch voluminösen Bauelemente mithilfe der CCD-Technologie zu finden. In der angegebenen Literaturstelle gibt es leider kein Datenblatt mit übersichtlicher Parameter-Angabe - trotzdem hier eine Zusammenfassung aus dem Text:

Anzahl der Verzögerungsstufen: 283
Betriebsspannung: 5V/12V
Chipmaße: 1,2mm x 1,2mm
Taktfrequenz: 4,43361875 MHz
Grenzfrequenz: 5 MHz (10 MHz)
Dynamikbereich: typ. 65dB
Durchlaßverstärkung: ca. 0,44
Rauschspannung: ca. 287 µV

Das Bauelement wurde Anfang der 90er nicht mehr weiterentwickelt, weil WFB an SAMSUNG verkauft wurde und dort nur noch für kurze Zeit Bildröhren hergestellt wurden. Der Forschungsbereich "F&E für hochintegrierte optische Sensoren" wurde geschlossen.
In der Literaturstelle berichtete der Autor auch darüber, daß bei ihm noch einige Exemplare Versuchsmuster vorrätig sind.

(1) Dipl.-Ing. Michael Pierschel: CCD-Verzögerungszeilen, rfe 41 (1992), H1, S15-17, H2, S104-106, S118



Ergänzungsschaltkreise zum "CMOS-U880" - U84C70 und U84C97
Im VEB Mikroelektronik Erfurt (MME) ging noch 1989 ein 8-Bit-CMOS-Mikroprozessorsystem in Produktion, welches in Ablösung des alten U880-Systems geplant war. Das CMOS-System hat große Vorteile, vor allem dann, wenn es in transportablen, d.h. Batterie-gespeisten Applikationen eingesetzt werden soll. Hier spielt der Stromverbrauch eine entscheidende Rolle und mit einem Zentel der Stromaufnahme oder noch weniger (im Vergleich zum U880-System), konnte man dann von wesentlich längerer Betriebdauer ausgehen.
Es war sowohl eine 2,5MHz-, als auch eine 4MHz-Typenreihe (CPU, PIO, CTC,SIO) vorgesehen. Dazu sind noch zwei Ergänzungs-Schaltkreise hinzu gekommen, die in dieser Art beim alten U880-System fehlen:

U84C70 - DART
Dieser Schaltkreis hat nichts mit einem "DART-Spiel" zu tun, sondern es handelt sich um einen speziellen IS zur seriellen Ein- und Ausgabe. Weitere Informationen, insbesondere Datenblatt liegen leider (noch) nicht vor.

U84C97 - CGC
Auch der U84C97 ist in dieser Form beim U880-System nicht zu finden, eher schon beim 8086-System als Taktgeber-Schaltkreis, welcher auch im HFO als DL8127D gefertigt wurde.
Dank einer Literatur-Quelle gibt es hier zum U84C97 nähere Angaben. Es ist ein Schaltkreis im 16-poligen DIL-Gehäuse mit den Hauptfunktionen zur Bereitstellung des Systemtaktes und der Organisation des ordnungsgemäßen Überganges in den Schlafzustand des CMOS-Mikroprozessorsystems. Dazu kann man die Betriebsart unter 3 verschiedenen Modi auswählen.
Eine ausführliche Beschreibung mit Applikationsbeispiel kann der nachstehend angegebenen Literatur-Quelle entnommen weerden.

Michael Ritter: 8-Bit-CMOS-Mikroprozessorsystem U84C00, mikroprozessortechnik 3 (1989), H10, S296-298



3 1/2-Digit AD-Wandler U7106D bzw. C7136D
Der Vorbildtyp des U7106D war der ICL7601 von der US-amerikanischen Fa. Intersil. Im Gegensatz zum C7136, der im HFO gebaut wurde, kam der U7106D aus Erfurt (MME).
Es handelt sich bei beiden um 3 1/2 Digit-AD-Wandler für die direkte Ansteuerung von LCD-Anzeigen. Die HFO-Variante in CMOS-Technologie ist zweifelsohne die modernere Version. In welcher Technologie MME seine U7106D hergestellt hat, ist leider (noch) unbekannt. Warum hier noch kurz vor der Wende ein etwa vergleichbares Bauelement nochmals in Erfurt entwickelt wurde, ist recht rätselhaft.
Ein "Hoch" auf die Planwirtschaft!
Gleichfalls rätselhaft sind auch die unterschiedlichen Bezeichnungsweisen, einmal mit "U" für "Digital-Unipolarer Schaltkreis" und andererseits mit "C" für "Wandlerschaltkreis". Der C7136 sollte übrigens den schon etwas "bejahrten" C520D ablösen.
Interessant wäre zu erfahren, ob die eigens dafür entwickelten Digital-Multimeter G1004-500 u.a. aus dem MME wirklich mit der Eigenproduktion ausgerüstet wurden, oder ob doch nur/noch NSW-Ausgleichsimporte im großen Stil getätigt wurden.
Zum U7106D liegen leider keine weiteren Informationen vor, hingegen es zum C7136D eine ausführliche Appl.-Broschüre C7137 - H47 gibt.



ASIC "U809M - Vermittlungs-IS"
Ansonsten ziemlich unbekannt - tauchte noch 1990 in der letzten Bauelemente-Vergleichsliste des Kombinats Mikroelektronik (KME) der Typ "U809M" auf. Außer dem lapidaren Titel "Vermittlungs-IS" sind bis heute leider keine weiteren Infos darüber aufgetaucht. Das in der Typbezeichnung enthaltenen "M" deutet allenfalls darauf hin, daß das BE in einem QCP68-Gehäuse (Plastgehäuse mit 4 Seiten Anschlüsse) untergebracht war.
In einem Forum-Beitrag von www.robotrontechnik.de berichtete ein Leser, daß er diese IS auf einer Leiterplatte in seiner Sammlung hat.
Es kann somit davon ausgegangen werden, daß diese Schaltkreise serienmäßig hergestellt wurden. Die Frage ist halt, von wem - MME Erfurt (?), ZMD Dresden (?) - oder kamen sie gar aus dem Institut für Nachrichtentechnik Berlin (INT)? Es ist bekannt, daß das INT als zentrale Entwicklungseinrichtung des Kombinates Nachrichten- und Meßtechnik (KNuM) Ende der 80er ein Entwurfzentrum für kundenspezifischen Schaltkreise hatte.
Inwieweit dieses jedoch technologisch soweit ausgerüstet war, bzw. wie das mit den bereits bekannten ASIC-Entwicklungen zusammenhing (siehe "Anwenderspezifische integrierte Schaltkreise"), konnte bis jetzt (noch) nicht geklärt werden.
Vielleicht gibt es ja noch Leser, die seinerzeit mit diesen Dingen involviert waren und weitere Informationen beisteuern können.

Nachtrag: Zwischzeitlich konnte geklärte werden, dass die U809M noch Ende 1989 in die Serienfertigung bei MME gegangen sind - in welchen Stückzahlen ist allerdings unbekannt. Weitere Informationen können der Schriftenreihe der Halbleiter-Symposien entnommen werden.



U1620FC - Ein Decoder-Schaltkreis für Digitalen Satellitenrundfunk
Obwohl nachfolgender IC nicht mehr in die DDR-Ära fällt, soll dennoch darauf hingewiesen werden, weil dessen Grundlage das Gate-Array-System U1600 war, was noch zu DDR-Zeiten entwickelt wurde.
Bisher wenig bekannt - aber Anfang der 90er existierten weltweit nur zwei verschiedene Typen dieser speziellen hochintegrierten Schaltkreise und einer davon war der "TSD DR U1620FC" aus dem mittlerweile privatisierten ZMD. Es war eine Auftragsentwicklung für den renomierten Satellitentechnik-Hersteller TechniSat, gemäß den "Technischen Richtlinien ARD/ZDF Nr.3 R1".
Folgende Baugruppen sind auf dem Chip integriert:

- Taktrückgewinnung und -aufbereitung (ohne VCO)
- Hauptrahmensynchronisation
- Unterrahmensynchronisation mit PI-Schnittstelle
- Descrambler
- Demultiplexer mit Mikrocomputer-Schnittstelle
- Fehlerkorrektur
- Skalenfaktorverarbeitung
- Interpolation
- serielle Schnittstelle I²S
- Testlogik

Weitere Details - auch ein Blockschaltbild - können der angegebenen Literatur entnommen werden.
Wenn man die sich weiterentwickelnde Informationspolitik verfolgt, muß leider festgestellt werden, daß diese Veröffentlichung so ziemlich das letzte Mal einen Einblick in die Interna von solch hochkomplexen Entwicklungen ermöglichte. In den nachfolgenden Zeiten wird es solcher Art Informationen kaum noch geben, sondern nur noch eine "vermarktungsgerechte Produktwerbung". Wie heutzutage bestimmte neue Produkte und Technologien technisch im Detail realisiert werden, bleibt somit mehr und mehr ein Geheimnis der betreffenden Produzenten.

Dipl.-Ing. Jürgen Beuthner, Dr.-Ing. Freider Engelmann, Dipl.-Ing. Dieter Markwordt, Ing. Gerhard Kreidler. Dipl.-Ing. Hans-Joachim Baer, Dipl.-Ing. Manfred Stiefel, Dr.-Ing. Ulrich Bergt: Digitaler Satellitenrundfunk (DSR) - Teil 2 und Schluß, rfe 41 (1992), H7, S484-489



Si-Transitoren SD335 bis SD340 und SD345 bis SD350
Diese Art Kleinleistungs-Transistoren (1A- bzw. 3A-Typen) waren schon längere Zeit in vielen Geräten der Volkswirtschaft im Einsatz und lange Zeit wurde die Bedarfsdeckung in der Regel durch RGW-Importe vorgenommen - zunächst aus der UdSSR (KT-Reihe), später dann aus Rumänien als BD135-BD140. Offensichtlich gab es doch wohl immer wieder Probleme bei der Bedarfsdeckung - oder möglicherweise auch aus Qualitätsgründen entschloß man sich dann ab etwa Mitte der 80er Jahre die Bedarfsdeckung aus Eigenaufkommen vorzunehmen.
Da im HFO bereits die Kapazitätsgrenzen durch die vielseitige Schaltkreisproduktion bis über alle Maßen erschöpft war, wurden im VEB Mikroelektronik Neuhaus (MSN) technologische Vorrausetzungen geschaffen, die wenigstens den Zyklus II (Chip-Montage, Verkappung, Endmessung) ermöglichten. MSN wurde somit auch für weitere "einfache" Halbleiterbauelemente immer mehr für den Zyklus II spezialisiert. Zyklus I, d.h. die Herstellung der eigentlichen Chips, verblieb allerdings nach wie vor beim HFO. Das brachte außer dem Nachteil des Transports der fertigen Chips im Scheibenverband auch den Vorteil, daß auf gleicher Chip-Basis unterschiedliche Bauelemente im MSN produzierbar waren, so z.B. als SMD-Bauteile.



A2014DC - Videoschalter für TV-Geräte
Im letzten Datenbuch der Halbleiterindustrie der DDR von 1990 wird ein Videoschalter-IC für die Anwendung in Fernsehgeräten aufgeführt. Dieser bipolare Schaltkreis sollte die elektronische Umschaltung von Videosignalen zwischen dem peripheren Eingang, z.B. Scart-Buchse und dem internen Signalweg realisieren.
Inwieweit dieser Schaltkreis im HFO (??) noch produktionswirksam geworden ist, darf bezweifelt werden.



A3048DC - Bipolarer Infrarot-Empfänger-Schaltkreis
Auch dieser Schaltkreis ist im letzten Datenbuch der Halbleiterindustrie der DDR von 1990 aufgeführt.
Während in der Vergangenheit Infrarot-Empfänger für Fernbedienungen dadurch realisiert wurden, dass man den eigentlich für AM-Empfang konzipierten A244D "vergewaltigte", sah man nun wohl die Notwendigkeit speziell dafür einen Schaltkreis zu entwickeln. Besondere Eigenschaften, wie z.B. die Bedämpfung des Eingangsschwingkreises in Abhängigkeit von der Signalamplidude (sog. Q-Killer) sogten für große Reichweite der IR-Strecke und gute Störsicherheit gegenüber Fremdlichteinflüssen.
Inwieweit dieser Schaltkreis im HFO (??) noch produktionswirksam geworden ist, darf bezweifelt werden.



U 80610 - Programmierbarer DRAM-Controller
Auch dieser Schaltkreis ist im letzten Datenbuch der Halbleiterindustrie der DDR von 1990 aufgeführt.
Dieser Schaltkreis gehört zum Sortiment der Systemschaltkreise des 16Bit-Mikroprozessorsystems U80600. Er unterstützt den Anschluß von 16-, 64-, und 256 kBit dRAMs bei einem Adressraum von max. 2MByte, wobei durch einen Dual-Port-Interface ein konfliktfreier Zugriff auf den Speicher gewährleistet wird. Im Zusammenhang mit dem EDCU-Schaltkreis U80608 tägt sollte er zu einem einfachen Aufbau großer fehlerkontrollierter Speicher beitragen.
Inwieweit dieser Schaltkreis im MEM (FWE) (??) noch produktionswirksam geworden ist, darf bezweifelt werden.



DS 80612 DC - Taktgenerator-Schaltkreis
Auch dieser Schaltkreis ist im letzten Datenbuch der Halbleiterindustrie der DDR von 1990 aufgeführt und gehört zum Sortiment der Systemschaltkreise des 16Bit-Mikroprozessorsystems U80600. Er sollte die Takt-, Ready- und Reset-Signale aus einem quarzgesteuertem Oszillator mit MOS-kompatiblen Ausgangsstufen erzeugen. Aus der Typbezeichnung geht hervor, dass der Schaltkreis in Bipolartechnik gefertigt werden sollte, so dass dafür HFO als Hersteller in Frage gekommen wäre.
Inwieweit dieser Schaltkreis im HFO (??) noch produktionswirksam geworden ist, darf bezweifelt werden.



B 3870 D - Analog-Prozessorschaltkreis für Teilnehmeranschlußleitungen
Von diesem Spezial-Schaltkreis für die Telekommunikation ist sehr wenig bekannt. Das recht komplexe Innenleben sollte offensichtlich helfen, perspektivisch die Mängel im Telefonnetz der DDR zu vermindern. Aus der Typbezeichnung könnte man wiederum schliessen, dass dieser Schaltkreis aus dem HFO kommen sollte (??).
Inwieweit das dort noch produktionswirksam geworden ist, darf bezweifelt werden.



U 1311 D - Schaltkreis für Schaltuhren
Dieser 32kHz-Uhrenschaltkreis ist eine spezielle Variante des bereits bekannten U 131 G mit Schaltausgängen für Ein- und Ausschaltzeit, sowie einem Tagesimpuls. Obwohl die Typbezeichnung eigentlich auf ein anders Gehäuse hindeutet (DIL), ist in der Abbildung das gleiche wie beim U 131 G angegeben. Wo hier nun der Fehler steckt, könnte nur anhand eines Original-Musters ermittelt werden.
Inwieweit dieser Schaltkreis noch produktionswirksam geworden ist und wo, ist unklar.



D 716 X - Schaltkreis für Thermodruckkopf
Im Datenblatt des D 716 X wurde original die Bezeichnung "Ansteuerschaltkreis für Heizwiderstände" verwendet, wobei "Treiberschaltkreis für Thermodruckkopf" besser den Verwendungszweck beschreiben würde. Das Entwicklungsthema im HFO zu diesem "Nacktchip" lautete dann auch "Thermodrucker-IS D716X" und ist am 31.8.1983 mit der K5/0-Verteidigung abgeschlossen worden. Es handelte sich um ein 16-stufiges Schieberegister mit Zwischenspeicher und 16 Ausgangsstufen mit 15V/150mA und wurde in einer damals (Anfang 1980) für HFO neuen bipolaren Technologie I²L gefertigt.
Der Schaltkreis wurde in den Thermodruckköpfen ITK80, ITK240 und ITK160 von Robotron verwendet, die im K6301, K6303 und K6306 (Büromaschinenwerk Sömmerda - BWS) zum Einsatz kamen. Während der Entwicklungsphase gab es auch einige Muster des D716 im DIL28-Gehäuse. Nachrangige Anwenderforderungen den D 716 X serienmäßig auch verkappt, z.B. in einem DIL-Plastgehäuse bereitzustellen, wurden leider vom HFO zunächst nicht realisiert.
Für den Einsatz der Nacktchips waren seitens BWS erhebliche technologische Hürden zu überwinden, was allerdings im Rahmen einer tatsächlichen Eigenentwicklung der Druckköpfe - d.h. keine "Nachempfindung" westlicher Vorbilder - durch eine automatische Fertigungslinie (Dünnschichtstrecke mit Sputtern und Strukturieren, Automatikbonder und Messtechnik, Verkappung) möglich war. Einzelne Komponenten kamen dazu vom Institut "Manfred von Ardenne" bzw. von Robotron/E76.

Nachtrag
Ein paar Jahre später konnte man in nachstehender Veröffentlichung lesen, dass nun doch noch eine anwenderfreundliche Variante des D 716 X im DIL24-Plastgehäuse als D 718 D angeboten wurde.

Dipl.-Ing. Eberhard Seeling: Integrierte 16-bit-Serien-Parallel-Wandlerschaltung, rfe 36 (1987), H12, S760-761



U8912 - Audio-Schaltkreis für den BIC - A5105
Zur Ablösung des im BIC eingesetzten Audio-Schaltkreises AY-3-8912 - ein NSW-Import vom US-amerikanischen HL-Hersteller "General Instruments Inc." - wurde offensichtlich ein 1:1-Nachbau geplant. Anzunehmen ist, dass ZMD dieser Wunsch angetragen wurde, was jedoch angesichts der Ende der 80er sich verschärfenden Defizite und vor allem wegen der zu geringen Stückzahlen kaum realisierbar erschien. Einen Ausweg sollte die vorhandene ASIC- und Standardzellen-Technologie (U5200 bzw. U1600) bringen.
Nach bisher unbestätigten Informationen kam es wohl noch zu einer System-Konzeption und ersten Mustern. Infolge der ab 1990 wirksamen Produktionseinstellung des "BIC" wurde das Vorhaben dann fallengelassen.



Verschiedene diskrete Bauelemente
Zusätzlich zu dem riesigen Spektrum der "Warenhausproduktion" der DDR-Halbleiterindustrie wurden auch noch einige weitere diskrete Bauelemente mit in das Entwicklungsprogramm aufgenommen - so jedenfalls läßt sich das aus dem letzten Datenbuch von 1990 herauslesen.
Insbesondere sollte wohl den Trend der weiteren Miniaturisierung durch verstärkten Einsatz moderner SMD-Schaltungstechnologie Rechnung getragen werden. Da Derartiges im RGW nicht zur Verfügung stand und infolge jahrelanger schlechten Erfahrungen mit entsprechenden Spezialisierungs-Bestrebungen versteifte man sich offensichtlich nun darauf alles selbst machen zu wollen.

Optoelektronik
VQA 101, VQA 201, VQA 301, VQA 103, VQA 203, VQA 303

Transistoren für Hybrid- und SMD-Schaltungen
SCE 307, SCE 308, SCE 309, SCE 535, SCE 536, SCE 537, SCE 538, SCE 539, SCE 540,
SSE 200, SSE 201, SSE 202, SSE 550, SSE 551, SSE 552, SSE 560, SSE 561, SSE 562



Weitere Bilder
Leserzuschriften ermöglichen die Veröffentlichung weiterer Bilder in Ergänzung zum PS-Buch:

WBN-Transistor Das Bild eines original noch vorhandenen Exemplars einer der ersten Spitzen-Transistoren aus dem WBN Teltow.
Ge-Leistungs-Transistor GD210 Das Bild eines original noch vorhandenen Entwicklungsmuster Ge-Leistungstransistor GD210 aus dem HFO. Deutlich ist das Kupfer-Gehäuse zu erkennen. Es gab auch Exemplare mit vernickelter Oberfläche, was aber an dem eigentlichen Problem, der Dichtheit der Nahtstelle zwischen Grundplatte und Kappe (beides aus Kupfer) nichts änderte. Weitere Details dazu in der PS-Geschichte Lebenslinien - Der schwere Weg vom Jugendlichen zum Erwachsenen".
Die Reihe GD210-230 ist nicht in der BE-Liste im Buch enthalten, weil deren Serien-Produktion nicht statt fand.
Si-PNP-Transistor Das Bild eines original noch vorhandenen Exemplars Silizium-PNP-Legierungstransistors SC100 aus dem HFO. Auch diese Typenreihe ist in der BE-Liste im Buch nicht enthalten. Wie jedoch im Buch bschrieben, war die Überleitung in die Produktion mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Deshalb erfolgte auch schnell eine Ablösung durch die modernere Planar-Technologie mit BE, wie SF131, SF126 usw.
Ge-Transistoren Das Bild zeigt einige weitere Ge-Transistoren aus der Anfangszeit der HL-Industrie der DDR. Ganz links ein OC870 - das Gehäuse besteht offensichtlich noch aus Drehteilen. Daneben ein GC112 im modifizierten (längeren) TO18-Gehäuse - aus tiefgezogenen, wesentlich billigeren Blechteilen. In diesem Gehäuse kamen die Mehrzahl der in den 60er hergestellten Ge-Transitoren (s.o.). Wie die rechts davon abgebildeten BE zeigen, wurde dann später aber auch (fast) original die TO18-Bauform angewendet (untypisierter Transistor, ein GF105, ein GF129 mit 4 Anschlüssen). Ganz rechts ist das Innenleben eines solchen Transitors zu sehen. Am Basiskontakt wurde rechtwinklig das Trägerplättchen mit dem aufgelöteten Ge-Chip gepunktet. Die beiden anderen Anschlüsse - Emitter, Kollektor - wurden mit dünnen Blechstreifen an die Drahtdurchführungen gepunktet, bzw. an die Emitter-/Kollektor-Perlen gelötet. Im Buch S10 ist vergleichsweise der Aufbau des verängerten, modifizierten TO18-Gehäuse dargestellt. Dort wird aber ein wesentlich größeres Trägerplättchen verwendet und dieses ist auch senkrecht montiert - deshalb die verlängerte Bauform.
Chip-Foto A3520 Aus einem Scheibenbruchstück stammt das Chip-Photo eines der letzten hochintegrierten Analogschaltkreise des HFO: A3520D
Trotz einer 200-fachen Vergrößerung sind Details kaum zu erkennen. Ganz links unten steht (hochkant): A3520. Die gesamte Chipfläche ist ca. 5x3,8mm groß, so daß hier nur ein ca. 1/4-Teil abgebildet werden kann.
CMOS-RAM KWH Bilder von CMOS-RAMs in Hybridbauweise aus den Keramischen Werken Hermsdorf (KWH):
Da jeweils 8 Stück Chips verbaut wurden, müßte es sich bei dem Typ 85551 um 4Kx1-SRAM-Chips handeln, wenn man von einer 8Bit-Breite ausgeht. Diese wurden allerdings nicht in der DDR hergestellt, so daß Import-Chips, möglicherweise aus der UdSSR vermutet werden müssen.
Zum Typ 4718 liegen leider keine weiteren Informationen vor. Anhand der Chip-Größe und dem Herstell-Datum kann aber von einer größeren Speicherkapazität ausgegangen werden.
Unbekannter Rechner-IC Bild eines bisher unbekannten Rechner-IC's aus dem Hause KCZ, d.h. offensichtlich von ZMD Dresden.
Welche Funktion dieser integrierte Schaltkreis hat, ggf. welcher Vorbildtyp hier Pate stand, ist derzeit noch unbekannt. Vermutungen gehen hier in Richtung "weiterer Systemschaltkreis für den ROBOTRON PC-AT EC1835".
Es wird auf die Mithilfe der Leserschaft gebaut, dieses Rätsel zu lösen!
Eine Leserzuschrift bringt nun "Licht in's Dunkle" - nachzulesen hier. Vielen Dank an Herrn Fritzsche!
Z80A(MME)_Russen-CPU Bild einer weiteren Variante des Z80A-Clones von Mikroelektronik Erfurt (MME) in einer Russen-Gehäusevariante.
Ob hierzu die Gehäuse aus der UdSSR importiert wurden, um beispielsweise MIL-Typen in Erfurt herzustellen, oder nur die fertigen Chips in die UdSSR exportiert wurden, um dort zu solchen Bauelementen komplettiert zu werden, bleibt bisher (noch) ungewiß.
Es wird auf die Mithilfe der Leserschaft gebaut, dieses Rätsel zu lösen!
Z80A(Thesys) Bild eines Z80H-Clones aus dem Hause "Thesys", d.h. dem Nachfolger von MME.
Daraus kann abgeleitet werden, daß in Erfurt offensichtlich die n-Kanal-SiliconGate-Technologie so gut beherrscht wurde, daß sogar Taktfrequenzen bis 10 MHz möglich waren. Selbst die Urväter des Z80 - die US-amerikanische Firma ZILOG - taten sich sehr schwer damit und demzufolge gab es auch keine Systemschaltkreise für diese hohe Taktfrequenz.
In Foren wurde dazu spekuliert, daß nach der Wende die "Nachlizenzierung" der Erfurter Z80-Reihe durch ZILOG über einen Deal des KnowHow-Austausches erfolgte.
U320C20FC7 Bild eines U32C20 aus dem Hause ZMD.
Daraus kann abgeleitet werden, dass in Dresden offensichtlich die Entwicklung des Signalprozessors doch bis in das Stadium von wenigstens Entwicklungssmustern gekommen sein muss. Nach Leser-Mitteilung muß es aber auch noch eine "Nachwende"-Produktion gegeben haben, was sich aus Lagerbeständen einiger BE-Händler ableiten läßt.
Das Bild wurde dankenswerterweise von einem Leser bereitgestellt.
U1815-1    U1815WC

U5404PC

Bilder von weiteren, bisher unbekannten Schaltkreisen aus dem Hause ZMD.

Vielleicht gibt es Leser, die über den einen oder anderen IC Auskunft geben können.
Diese Informationen könnten dann hier veröffentlicht werden.


Besonderer Dank gilt Wolfgang Mögling für die Zurverfügungstellung des Fotos zum WBN-Transistor und Andreas Senf für die HFO-Transistor-Bilder.




Sachdienliche Kritik, Hinweise und/oder Ergänzungen dazu, bzw. zu allen Fragen der Mikroelektronikgeschichte der DDR sind immer willkommen!




Copyright © 2006 by Peter Salomon. Letzte Änderung am 28.12.2012