KC85⁄3 als Entwicklungsarbeitsplatz

Einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die Entwicklung der DDR-Mikrorechentechnik hatten auch die eigentlich als "Heimcomputer" entwickelten KC85 aus dem Hause ROBOTRON und aus Mühlhausen. Insbesondere bei letzterem stellte sich schnell heraus, daß sich damit vielfach auch kostengünstig Bedürfnisse aus dem industriellen Bereich befriedigen lassen und im Bereich Bildung, Forschung und Lehre damit wenigstens Übergangslösungen gefunden werden konnten. Somit überstieg die Nachfrage das Aufkommen bei weitem und die eigentlich vorgesehenen privaten Nutzer der "Konsumgüterproduktion KC85⁄x", vormals "Z9001" und "HC900", hatten das Nachsehen.
Zum KC85 gibt es viele interessante Web-Seiten (siehe z.B. Links), trotzdem soll hier speziell zum KC85⁄3 noch einiges aus persönlich-historischer Sicht ergänzt werden. (siehe auch KC85-InfoHistory)

Als PS Anfang 1988 im Ingenieurbüro für Geflügelwirtschaft (IBG) des Kombinats Industrielle Mast (KIM) die Vorzüge der Mikroelektronik auch im Bereich der Landwirtschaft einführen sollte, stand außer einem KC85⁄3 ohne Zubehör nichts zur Verfügung. Diverse Module für Ein- und Ausgabe, Kassetten-Datenspeicher und sogar der Monitor fehlten. Mittels einer Investitions-Konzeption und einer weiteren Ergänzung wurde der Betriebsleitung des IBG der Vorschlag unterbreitet, den vorhandenen KC85⁄3 zu einem Hard-⁄Software-Entwicklungsarbeitsplatz auszubauen. Die Konzeption war so angelegt, daß Hardware in Kooperation mit den technologischen Möglichkeiten des IFAM im AEB entwickelt und die notwendige Software selbst erstellt wird. Der Einsatz des KC85⁄3 selbst in der rauhen Umgebung der Landwirtschaft kam nicht in Frage, hierfür gab es eine überbetriebliche Kooperation einzelner Entwicklungsstellen im Bereich der Landwirtschaft zur Entwicklung eines modularen Mikrorechner-Systems (MSL-System) für diese speziellen Einsatzfälle. Mit dem vorgeschlagenen Hard-⁄Software-Entwicklungsarbeitsplatz sollten somit grundlegende Voraussetzungen für einen IBG-Beitrag zum MSL-System geschaffen werden.

Die Umsetzung der Konzeption scheiterte jedoch zunächst an den real existierenden Gegebenheiten der sozialistischen Planwirtschaft. Die Lieferzeiten für die KC85⁄3-Zusatzmodule beliefen sich auf 1 bis 3 Jahre. Interessant ist hierbei, daß auch der Vertrieb des "Konkurrenzerzeugnisses" aus Mühlhausen vom damaligen ROBOTRON-Vertrieb Magdeburg erfolgte. Der ROBOTRON-Farbmonitor K7226.20 war jedoch gar nicht beschaffbar, nur der Datenrecorder LCR-Data konnte vom VEB Elektronik Gera kurzfristig direkt geliefert werden.
Als Alternative für den Monitor bot sich zunächst die Nachnutzung einer AEB-Entwicklung RGB - Computeranschlußmodul für den DDR-Farbfernsehempfänger "COLORTRON 4000" an.
Im Gegensatz zum FBAS-Anschluß waren die Farbfernsehempfänger damals noch nicht mit einem RGB-Anschluß nach internationalem Standard mit SCART-Schnittstelle ausgerüstet. Zum einem bestand mangels anzuschließender Geräte (Video-Recorder, Kamera o.ä.) noch keine Notwendigkeit und anderenseits gab es die SCART-Steckverbindung nur aus NSW-Importen. Der FBAS-Anschluß war zwar für normale Heimcomputeranwendungen auf der 40-Zeichen⁄Zeile-Basis des KC85⁄3 ausreichend, aber für den angestrebten 80-Zeichen-Modus des "WordPro" wegen der prinzipbedingt zu schlechten Auflösung nicht zu gebrauchen.
Abgesehen vom Preis des FFSE (6500.-M) - die Beschaffung wäre zwar prinzipiell möglich gewesen, aber dennoch zu schwierig - wurde aber wegen der für den Anwendungszweck zu großen Abmaße und Gewicht (67cm-InLine-Bildröhre) dann doch davon Abstand genommen.

Nach längeren Bemühungen und Ausnutzung persönlicher Beziehungen konnte durch PS jedoch ein Farbmonitor einer gerade angelaufenen Entwicklung "KCM38-1" im Werk für Fernsehelektronik Berlin (WFB) organisiert werden (Farbmonitor BWG1.0. Bei der Produktion der neuen InLine-Farbbildröhren im WFB fielen nicht TGL-gerechte Exemplare an und die sollten dann in KC-Monitoren zum Einsatz kommen. Obwohl für einen Computermonitor-Einsatz eigentlich Bildröhren mit weitaus besseren Parametern als beim normalen Farbfernsehempfänger notwendig gewesen wären, war dieses Erzeugnis so begehrt, daß es auch das Schicksal des KC85 teilte, d.h. auch diese Geräte kamen vorerst nicht in den Handel für den Privatverbraucher. Deshalb wurde auch nochmal eine Umbenennung in "BWG1.0" vorgenommen. Als Gehäuse kam das gleiche wie beim sogenannten "Farbkoffer" von ROBOTRON-Radeberg zum Einsatz, für den die 42(38)er Bildröhre ursprünglich vorgesehen war.

Resümierend zur Beschaffungs-Situation der Zubehör-Module wurde deshalb nun der Eigenbau eines Zusatzgerätes vorgeschlagen und ohne weitere Entscheidungen der staatlichen Leitung abzuwarten dann auch durchgeführt. Konstruktiv wurde eine Form gewählt, daß darauf der KC85⁄3 und darauf wiederum der Farbmonitor BWG1.0 gestellt werden konnte. Die Anordnung ähnelte der mit dem originalen Bus-Erweiterungsaufsatz des KC85⁄3 - war letztendlich jedoch viel kompakter.
Eine ausführliche Beschreibung , die Frontplattengestaltung, der prinzipielle Aufbau (Blockschaltbild) können unter den angezeigten Links angeschaut werden. Schaltungsdetails sind in der ausführlichen Beschreibung enthalten.

Im Zusammenhang mit der Beschäftigung mit dem KC85⁄3 wurden natürlich auch alle greifbaren Literaturquellen aus Zeitschriften benutzt. Als Ergänzung sei noch die Broschüre "Tips und Tricks für kleine Computer" von Klaus und Stefan Schlenzig erwähnt, welches Grundlage für das bekannte "WordPro´86" ist und u.a. den kompletten Quelltext beinhaltet.

Außer Textverarbeitung kann der KC85⁄3 natürlich auch Pixel-Farbgrafik. Ein weit verbreitetes Programm dazu war und ist "Grafik 1.5" von Manfred Feindt. Im Gegensatz zum "WordPro´86" gab es hierzu leider keinen kompletten Quelltext im Original, so daß für Ergänzungen oder Verbesserungen mühsam eine Programmanalyse durchgeführt werden mußte. Einige grundlegende Routinen aus der Feindt´schen Programmierkunst sollen hier wiedergegeben werden. Sie sind absichtlich als reine Textdatei gehalten, damit ein Einfügen in jeden Programm-Editor problemlos möglich sein sollte.

Daß seinerzeit auch in der DDR bereits auf privater Basis mit Software durch sogenannte "Nachnutzung" Geld verdient wurde, zeigt eine Kalkulations-Richtlinie, ebenfalls von Manfred Feindt.
Nachnutzung war übrigens auch auf betrieblicher Basis ein probates Mittel kurzfristig, d.h. "außerplanmäßig" zu Know-How, Halbfertigerzeugnissen oder manchmal gar zu fertigen Geräten zu kommen (siehe Farbmonitor BWG1.0).





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